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Von Montserrat Manke
"Sie haben Werte und sind
Vorbilder"
Wesseling. Festliche runde Tisch mit
Damasttischdecken und zartrosa Rosen als Tischschmuck, blitzendes
Besteck, ein erlesenes Menü, romantische Kerzen, gedimmtes Licht, ein
roter Teppich vor der Bühne und Scheinwerfer: Die erste Oskarnacht im
Rheinforum war elegant in Szene gesetzt worden.
Monatelang hatten die "Macher" von der Bürgerstiftung
Wesseling an dem festlichen Abend geplant, schließlich sollte mit dem
Fest ein neuer glamouröser Meilenstein in der Wesselinger Gesellschaft
gesetzt werden. Und - um es gleich vorweg zu nehmen - es ist gelungen:
Das war die beste Veranstaltung in der Stadt am Rhein seit Jahren.
Zumindest dieses war der Tenor der rund 180 Gäste.
Aber es ging ja auch um was: In fünf
Kategorien wurde der "Leistungsoskar" der Bürgerstiftung
verliehen, darüber hinaus gab es einen Oskar, der für das Lebenswerk
verliehen wurde. Durch das rund dreistündige Programm führte der Kölner
Günter Leitner, der - dem Abend angemessen - einen schicken Gehrock
trug und souverän moderierte. "Heute Abend geht es um Menschen,
die leisten, was die Gesellschaft benötigt. Sie haben Werte und sind
Vorbilder", erläuterte im Vorfeld Matthias Franzke, Vorsitzender
der Bürgerstiftung.
Aus über 80 Vorschlägen, die die
Wesselinger Bürgerinnen und Bürger bei der Stiftung eingereicht
hatten, musste die Jury wählen, und es war sicher nicht einfach: Bis
auf die Kategorie "Lebenswerk" und "Wesselinger des
Jahres" gab es jeweils drei Nominierte. Sie alle wurden - ganz dem
großen Vorbild aus Hollywood entsprechend - multimedial vorgestellt,
bevor Leitner die Entscheidung bekannt gab und die Geehrten mit
"Standing Ovations" im Scheinwerferlicht auf die Bühne kamen.
Den ersten Oskar (Kultur) erhielt der
Musiker Mike Herting. Er hatte sich bei der Jury gegen den Künstler
Otto Scholtes und das Comic-Genie Martin Perscheid durchgesetzt.
"Ich musste erst mal 30 Jahre alt werden, um zu begreifen, dass das
was ich mache, Leistung ist", grinste Herting, der unter anderem
als Komponist für den Welthit "New York, Rio, Tokio" aus den
80er Jahren verantwortlich ist. Herting arbeitet seit 1998 als
Gastdirigent, Komponist und Arrangeur der WDR-Big-Band, ist einer der
Miterfinden von "Live im Lessing" und macht regelmäßig bei
den Leverkusener Jazztagen mit.
Danach wurde es richtig feierlich - es
folgte die Kategorie "Lebenswerk": Leitner sprach von einem
"der bedeutendsten Künstler der Nachkriegszeit" und was
sakrale Arbeiten angeht, hat Leitner sicher recht. Der Wesselinger Künstler
Paul Nagel wurde mit der aus einem Rheinkiesel, Gold und künstlich
gerostetem Edelstahl in Handarbeit gefertigten Skulptur für sein
Lebenswerk ausgezeichnet. Gerade erst war Nagel aus Rom gekommen, wo der
Papst seine Edith-Stein-Statue am Petersdom geweiht hatte (wir
berichteten). Nagel sei jemand, der das Gesamtkunstwerk Kirche gestalte.
Weiter ging es mit der Kategorie Sport und
da hatten es die beiden Nominierten Andre Sommer (9 Jahre, einer der
erfolgreichsten Nachwuchsschwimmer seiner Altersklasse in Deutschland)
und Christine Knopp (aufopferungsvolle Betreuerin des Mädchenfußballs
der Spielvereinigung Wesseling) natürlich sehr schwer gegen diesen
Kandidaten: Günter Nett, seines Zeichens 35 Jahre Trainer der
Leichtathletikabteilung des TuS Wesseling. Logisch ging der Oskar an
Nett, der "Generationen von Wesselinger Jugendlichen sportlich
aktiviert" habe. Und er war es, der die berühmte Wesselinger
Mannschaft für "Spiel ohne Grenzen" zusammen gestellt hatte.
Wie die vor ihm Geehrten war auch Nett sichtlich stolz auf seinen Preis,
den er - wie alle anderen Preisträger - aus der Hand eines Sponsors
erhielt.
"Wir würden gerne mit der kompletten
Band spielen, aber dann würde dem ein oder anderen der Hummer von
Teller fliegen", schmunzelte Klaus Opree, der mit seiner Band
Undercover in der Kategorie Soziales auf der Liste der Nominierten stand
und drei Songs zum besten gab. Die Rockband veranstaltete im Mai ein
Benefizkonzert für den Wesselinger Jörg Streese (wir berichteten), der
im Rollstuhl sitzt und dringend ein so genannten "Hand Bike"
(ein spezieller Rollstuhl) benötigte, um mehr Bewegungsfreiheit zu
haben. 4000 Euro kamen bei dem Konzert zusammen, und Jörg, der zurzeit
wieder im Krankenhaus liegt, bekam sein Bike.
Neben Undercover waren Margit Knaust und
die Gymnasiasten Johannes Grimm (18), Dennis Glogau (20) und Tony Grzyb
(18) nominiert. Knaub kam vor 20 Jahren nach Wesseling und kümmerte
sich um ihre nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmte
Schwiegermutter und übernahm nach deren Tode Patenschaften in einem
Altenheim in Rodenkirchen. Auch vom Tode ihres Mannes sowie dem
Unfalltod ihres Sohnes ließ sie sich von ihrem sozialen Engagement
nicht abhalten, betreut heute ihre 91-Jährige Mutter und hilft ausländischen
Mitbürgern bei Behördengängen.
Die drei jungen Männer betreuen seit 1999
ihren Mitschüler Marcel Adams, der nach einem Unfall (er wurde am
Entenfang von einem Auto erfasst) querschnittgelähmt ist. Sie helfen
ihm in der Schule, zeigen für ihn auf, blättern um, und nehmen Marcel
überall mit hin. Das Engagement von Knaust, Grimm, Glogau und Grzyb
fand die Jury dergestalt beeindruckend, dass kurzerhand einfach alle
vier ausgezeichnet wurden. Damit konnten auch die Jungs von Undercover
leben: "Euer Applaus ist uns Auszeichnung genug", meinte Opree
schon im Vorfeld.
"Forschung und Wissenschaft" hieß
die nächste Kategorie und hier waren mit Daniel Hegemann, Christian
Weigel und Christian Grozescu drei Schüler des Käthe Kollwitz
Gymnasiums nominiert. Den Preis heimsten schließlich die beiden
Christiane ein, die mit ihrem "Lotus-Effekt" Landessieger bei
"Schüler experimentieren" wurden. "Wir hatten keine Lust
zu spülen, und da fingen wir an zu experimentieren", so Grozescu
zum Auditorium. Beim Lotus Effekt handelt es sich um ein Material, an
welchem - ähnlich den Blättern der Lotusblüte - Wasser einfach
abperlt.
Zum Schluss schließlich wurde der Oskar für
den "Wesselinger des Jahres" verliehen. Und der ging an gleich
ganz viele Wesselinger - nämlich Ursula Jürgens und ihr Team von der
Kindertagesstätte Regenbogen. Hier nämlich findet eine ganz besondere
Beziehung zwischen Alt und Jung statt: Die Kinder besuchen regelmäßig
die Senioren vom CBT-Haus St. Lucia und an St. Martin werden die älteren
Menschen in die KiTa eingeladen.
Es sei einer dieser üblichen Termine
gewesen, berichtete Frau Jürgens, als die Kinder im Seniorenheim
gesungen haben. Dort stubste eine Frau im Rollstuhl ein Kind mit ihrem
Stock an und das Kind erschrak: "Da dachte ich mir, wir müssen
etwas unternehmen", sagte Frau Jürgens. Denn viele Kinder würden
gar keine Großeltern mehr haben, und Ältere als Teil der Gesellschaft
nicht mehr wahr nehmen. "Leider sind unsere Hauptdarsteller - die
Kinder und die Senioren jetzt schon im Bett, doch ihnen gilt unser
ganzer Dank", schloss Frau Jürgens ihre Dankesrede.
Quelle: http://www.werbekurier.de
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